Kein Ende in Sicht: Gedanken zu zwölf Jahren Spaltung in Palästina

von Raif Hussein Seit zwölf Jahren bekämpfen sich nun die palästinensischen Bewegungen FATAH und HAMAS. Und inzwischen steht wohl unumstößlich fest: Die Palästinenser haben es trotz aller Bemühungen und Vermittlungsversuche der arabischen Herrscher und trotz zahlreicher Versöhnungsküsse zwischen FATAH- und HAMAS-Funktionären nicht geschafft, ihre politische, soziale und geografische Spaltung zu überwinden. Schlimmer noch, die Gräben zwischen beiden Bewegungen sind heute tiefer als jemals zuvor. Zwölf Jahre später müssen wir mit Bedauern feststellen, dass die Sehnsucht des palästinensischen Volkes nach Einheit und Stabilität in weite Ferne gerückt ist. Ungeachtet der Tatsache, dass es weiterhin gilt, zahlreichen äußeren Gefahren und internen Herausforderungen zu begegnen. Und FATAH und HAMAS haben ihre fraktionsinternen Interessen

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Ende der palästinensischen Spaltung und der Beginn des nationalen Versöhnungsprozesses – eine politische und soziale Mammutaufgabe

Ende der palästinensischen Spaltung und der Beginn des nationalen Versöhnungsprozesses – eine politische und soziale Mammutaufgabe   Von Raif Hussein   Der Besuch des palästinensischen Premierminister in dem Gezastreifen Anfang Oktober war sicherlich ein historischer Schritt und ein wichtiger oben drauf auf dem Weg zur Überwindung des seit über zehn Jahren andauernden Spaltung des palästinensischen Volkes. Die Entspannungszeichen zwischen Fatah und Hamas beobachten wir seit Wochen. Die ägyptische Regierung hat eine entscheidende Role bei der Annäherung beider Standpunkte gespielt. Die Gründe für den plötzlichen Sinneswandel beider Seiten sind vielfältig und etwas kompliziert. Allerdings haben sie wesentlich mit der regionalen Entwicklung zu tun und mit dem neu herauskristallisierenden Lagern im Nahen

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Die Antisemitismus-Debatte und der Film „Der Hass auf Juden in Europa“

Von Raif Hussein – politischer Analyst Vor einigen Wochen flammte die Debatte über Antisemitismus in Deutschland und in Europa erneut auf. Zündstoff für diese Debatte lieferte dieses Mal ein nicht ausgestrahlter Film über Antisemitismus in Europa, der von WDR und ARTE in Auftrag gegeben wurde. Der Programmdirektor vom WDR, Jörg Schönenborn, begründete die Nicht-Ausstrahlung unter anderem mit erheblichen fachlichen und journalistischen Mängeln des Filmes. Dazu kritisierte er die Einseitigkeit der Filmemacher hinsichtlich der Fokussierung des Themas und nicht zuletzt die falsche Darstellung einiger historischen Gegebenheiten und Tatsachen. Die Antisemitismus-Debatte ist wichtig und notwendig – das steht nicht zu Diskussion. Sie ist notwendig, weil der Antisemitismus in den vergangenen Jahren wieder

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„Die Hoffnung wurde missbraucht“ Deutschlandradio Kultur – Interview 21.10.2015 07:36 Uhr Raif Hussein im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Deutschlandradio Kultur – Interview21.10.2015 07:36 Uhr URL dieser Seite: http://www.deutschlandradiokultur.de/gewalt-in-nahost-die-hoffnung-wurde-missbraucht.1008.de.html?dram:article_id=334563 Ausschreitungen in Hebron im Oktober 2015 (picture alliance / dpa / Abed Al Hashlamoun)Wütend und verzweifelt ist die junge Generation von Palästinensern – hier bei Ausschreitungen in Hebron vor wenigen Wochen. (picture alliance / dpa / Abed Al Hashlamoun) GEWALT IN NAHOST „Die Hoffnung wurde missbraucht“ Raif Hussein im Gespräch mit Liane von Billerbeck Wut und Verzweifelung beherrschen die junge Palästinenser-Generation angesichts einer endlosen Spirale der Gewalt. Auch das Vertrauen in die eigene Regierung sei dahin, die dritte Intifada sei unabwendbar, sagt der Politikwissenschaftler Raif Hussein. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, Raif Hussein, ist die dritte Intifada unabwendbar

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Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht 

Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht  (Brecht) Raif Hussein Land für Frieden – das war die Devise, mit der die Palästinenser in den vergangenen zwei Dekaden ihre Hoffnung verbunden haben. Es war aber auch genau das Betäubungsmittel, mit dem die Weltgemeinschaft das palästinensische Volk 22 Jahre lang ruhig gestellt hat. Inzwischen müssen die Palästinenser feststellen, dass ihre Hoffnungen sich nicht realisieren werden. Sie haben keinen Frieden und wohl bald auch kein Land, in dem sie in Frieden leben können. Das palästinensische Volk hat in der Vergangenheit seiner politischen Führung, den westlichen Mächten und auch Israel vertraut. Das Volk glaubte an den Frieden, glaubte an das Zusammenleben und an

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Die Politik und das jüdische Dasein in Deutschland

Die Politik und das jüdische Dasein in Deutschland   Von Raif Hussein   Vor siebzig Jahren erfuhr die Welt die ganze Wahrheit über das Naziverbrecherregime in Deutschland . Mit der Befreiung der Konzentrationslager war die Welt Zeuge eines der grausamsten und abscheulichsten Taten der Menschheit im vergangen Jahrhundert. Die Lehren, die in Deutschland aus dieser schwarzen Epoche der deutschen und europäischen Geschichte gezogen wurden, waren richtig und wichtig. Richtig im Sinne von Schuldgeständnis und Verantwortung für das was an Verbrechen geschah und wichtig um das noch gebliebene wenige jüdische Leben in Deutschland und in Europa zu schützen und die jüdischen Bürger Europas alles erdenkliche zu geben um sich sicher und

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Verhandlungen: Ausflug auf Treibsand

Von Raif Hussein Im September 1993 war die Welt Zeugin eines Ereignisses, das ein Kapitel der Weltgeschichte in friedlichere Bahnen lenken sollte: Das historische Händeschütteln in Washington zwischen den Erzfeinden – Israels Ministerpräsidenten Rabin und PLO Chef Arafat – sollte das Pulverfass, auf dem der Nahe Osten über 50 Jahren gelegen hat, entschärfen. Und dazu sollten innerhalb von fünf Jahren, so lautete der Vertrag, die Grenzen des Staates Palästina festgelegt werden und eine friedliche Koexistenz zwischen den beiden Nachbarn beginnen. Doch es kam bekanntermaßen anders. Kaum verflog die Euphorie, wurde deutlich, dass vielleicht das Pulverfass vorübergehend ausgeschaltet war, aber in Washington auch ein komplettes Minenfeld vor dem palästinensischen Volk auf

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Auswirkungen des arabischen Frühlings auf die palästinensische Gesellschaft

Zu Beginn der Arabellion in Tunesien und Ägypten beobachtete man die Solidaritätsbekundungen der rebellierenden Massen auf den Straßen. Die jungen Tunesier und Ägypter riefen nicht nur zur Entmachtung der arabischen Despoten auf, sondern zeigten offensichtlich ihre Solidarität mit dem palästinensischen Volk. Sie skandierten gegen die Besatzung und gegen die uneingeschränkte Unterstützung der westlichen Welt, die der Besatzungsmacht Israel immer noch zugutekommt. Sie hissten palästinensische Flaggen und zeigten Transparente mit ausdrucksstarken Solidaritätsbekundungen. Tatsächlich war dies eines der beständigen Bilder der ersten Monate der Arabellion. Diese beeindruckenden Bilder veranlassten zahlreiche Journalisten, Politiker und auch Wissenschaftler zu der Annahme, dass diese Solidaritätsbewegung aus dem tiefsten Herzen der Arabellion mit Sicherheit in der westlichen

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Die Vergessenen im brutalen Krieg in Syrien

Aufruf der Palästinensischen Gemeinde Deutschland e.V. (PGD) zur Aufhebung der Blockade um das Flüchtlingslager Yarmouk südlich von Damaskus Der seit März 2011 andauernde Krieg in Syrien hat bislang etwa 1.500 palästinensischen Flüchtlingen das Leben gekostet und täglich steigt der Zahl der Opfer. Es leben ungefähr eine halbe Million Palästinenser in den palästinensischen Flüchtlingslagern in Syrien, insbesondere im Yarmouk Camp im Süden von Damaskus – dort sind rund 200.000 Palästinenser zu Hause. Die Bevölkerung von Yarmouk Camp, im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus, leidet unter einer erdrückenden Blockade. Zivilisten, die das Lager verlassen wollen, um sich und ihre Kinder mit Lebensmitteln zu versorgen, sind seit Beginn des Jahres 2013 in ihrer

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