Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht 

Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht  (Brecht)

Raif Hussein 
Land für Frieden – das war die Devise, mit der die Palästinenser in den vergangenen zwei Dekaden ihre Hoffnung verbunden haben. Es war aber auch genau das Betäubungsmittel, mit dem die Weltgemeinschaft das palästinensische Volk 22 Jahre lang ruhig gestellt hat. Inzwischen müssen die Palästinenser feststellen, dass ihre Hoffnungen sich nicht realisieren werden. Sie haben keinen Frieden und wohl bald auch kein Land, in dem sie in Frieden leben können. 

Das palästinensische Volk hat in der Vergangenheit seiner politischen Führung, den westlichen Mächten und auch Israel vertraut. Das Volk glaubte an den Frieden, glaubte an das Zusammenleben und an die Zwei-Staaten-Lösung. Die Wahrheit aber war: Dieses Vertrauen und dieser Glaube wurden auf das Abscheulichste immer und immer wieder missbraucht. Nach 22 Jahren Versprechungen von Frieden, muss das palästinensische Volk feststellen, dass es in einem großen Freiluftgefängnis lebt und nur Israel den Schlüssel dafür besitzt.

Fakt ist: Die Palästinenser wurden getäuscht und enttäuscht. Die Friedensverträge waren nicht einmal das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden. Die Friedensgespräche waren nicht mehr als eine Floskel. Die israelische Besatzungsmacht nutzte die „Friedensphase“ für die Weiterentwicklung ihres kolonialistischen Projektes. Ein Projekt, das aufgebaut ist auf Entrechtung und Beraubung des palästinensischen Volkes. Ein Projekt, das Rassismus und Siedlerkolonialismus manifestiert hat.

Dazu kommt: Die sogenannte „Freie Welt“ hat jahrzehntelang zugeschaut, wie den palästinensischen Ureinwohnern ihr Land unter den Füßen weggerissen wurde – und tat nichts dagegen. Es wurde zugesehen, wie Israel Tag für Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr internationales Recht und internationale Beschlüsse mit den Füßen trat – und tat nichts dagegen. Es wurde beobachtet, wie Israel auch während der verlogenen Friedensphase drei Vernichtungskriege gegen das palästinensische Volk im Besetzten Palästina führte – und tat nichts dagegen. Die Palästinenser haben an den Frieden geglaubt, während Israels Politiker an ihrem Projekt „Großisrael“ bauten.

Das Ergebnis des sogenannten „Friedens“ im Besetzen Palästina ist mehr als deutlich: Siedlungen, faschistische bewaffnete Siedler, Apartheidsmauer, Apartheidsstraßen, Checkpoints, Ermordung und Ressourcenraub.

Diesen Frieden hat das palästinensische Volk nun auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen und sein Schicksal in die eigene Hand genommen. Denn wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht. Die Menschen im Besetzten Palästina sorgen jetzt selbst für ihre Sicherheit und die Sicherheit ihrer Kinder. Sie schützen sich jetzt selbst vor den Angriffen der radikalen Siedler und der zionistischen Besatzungsarme. Und zwar solange, bis die Welt durch internationale Truppen übernimmt.

Fest steht: Auf israelischer Seite haben die Palästinenser keinen Gesprächspartner mehr. Die Verbündeten Israels müssen die rechtsgerichtete israelische Regierung und ihre Siedlerarmen in die Schranken weisen, bevor es endgültig zu spät ist. Denn eines hat Bestand: Das palästinensische Volk sehnt sich nach Frieden und Stabilität ohne Besatzung und ohne Bevormundung.
 

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