Die Vergessenen im brutalen Krieg in Syrien

Aufruf der Palästinensischen Gemeinde Deutschland e.V. (PGD) zur Aufhebung der Blockade um das Flüchtlingslager Yarmouk südlich von Damaskus

Der seit März 2011 andauernde Krieg in Syrien hat bislang etwa 1.500 palästinensischen Flüchtlingen das Leben gekostet und täglich steigt der Zahl der Opfer. Es leben ungefähr eine halbe Million Palästinenser in den palästinensischen Flüchtlingslagern in Syrien, insbesondere im Yarmouk Camp im Süden von Damaskus – dort sind rund 200.000 Palästinenser zu Hause.
Die Bevölkerung von Yarmouk Camp, im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus, leidet unter einer erdrückenden Blockade. Zivilisten, die das Lager verlassen wollen, um sich und ihre Kinder mit Lebensmitteln zu versorgen, sind seit Beginn des Jahres 2013 in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Anfang Juli wurde die Blockade sogar noch weiter verschärft und das Lager vollkommen abgeschlossen. Zivilisten werden am Betreten und Verlassen des Lagers gehindert; ebenso ist es ihnen untersagt, sich dem Checkpoint am Eingang des Lagers zu nähern. Seit mittlerweile fünf Monaten gibt es keinen Strom und das Lager wird verstärkt bombardiert. All dies hat zu ersten Anzeichen einer humanitären Katastrophe geführt. So etwa kam es verbreitet zu Fällen von Austrocknung bei Säuglingen, von denen einige, wie das Mädchen Dschanna Hassan, starben. Dschanna verlor ihr Leben, weil keine Säuglingsmilch verfügbar war und das Kind keine Amme akzeptierte. Umso schlimmer ist dieser Tod, da der Mutter, die sich aufgemacht hatte, Lebensmittel zu besorgen, verboten wurde, ins Lager zurückzukehren.
Das Lager befindet sich nicht mehr am Rande einer humanitären Katastrophe, sie ist mittlerweile bittere Realität: Lebensmittel, Säuglingsmilch und Medikamente sind vollständig aufgebraucht und es steht kein ärztliches Personal mehr zur Verfügung. Alle verbliebenen 70.000 Zivilisten im Lager sind betroffen, Palästinenser wie im Lager lebende Syrer, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, sowie mittellose Familien, die sich dorthin geflüchtet hatten.
Die Informationen aus dem hermetisch abgeriegelten Lager zeichnen ein dramatisches Bild der Lage. Die dort eingeschlossenen Bewohner des Lagers sind den Kampfeinheiten beider Seiten des Krieges schutzlos ausgeliefert. Sie werden bombardiert, massakriert und verschleppt. Der Kampf gegen den Hunger und Dorst hat dazu einen dramatischen und tödlichen Zustand erreicht. Die Menschen ernähren sich von Hunde- und Katzenfleisch. Inzwischen sind über 40 Menschen verhungert oder verdurstet. Und die Katastrophe verschärft sich stündlich.
Wir appellieren an das Auswärtige Amt und die Bundesregierung, sowie an alle Organisationen und ganz besonders an das Hilfswerk der Vereinten Nationen (UNRWA), das für das Leben der palästinensischen Flüchtlinge zuständig ist, der Blockade und Willkür in Yarmouk Einhalt zu gebieten. Wir missbilligen ausdrücklich das verdächtige Schweigen bezüglich der Blockade des Lagers und dem untätigen Zuschauen, wie eine humanitäre Katastrophe täglich wächst.
Es ist die größte Schande, dass heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Verbrecher den Hunger als Waffe nutzen, um Menschen zu töten – und dies vor den Augen einer schweigenden Welt.

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