Die Politik und das jüdische Dasein in Deutschland

Die Politik und das jüdische Dasein in Deutschland

 

Von Raif Hussein

 

Vor siebzig Jahren erfuhr die Welt die ganze Wahrheit über das Naziverbrecherregime in Deutschland . Mit der Befreiung der Konzentrationslager war die Welt Zeuge eines der grausamsten und abscheulichsten Taten der Menschheit im vergangen Jahrhundert.

Die Lehren, die in Deutschland aus dieser schwarzen Epoche der deutschen und europäischen Geschichte gezogen wurden, waren richtig und wichtig. Richtig im Sinne von Schuldgeständnis und Verantwortung für das was an Verbrechen geschah und wichtig um das noch gebliebene wenige jüdische Leben in Deutschland und in Europa zu schützen und die jüdischen Bürger Europas alles erdenkliche zu geben um sich sicher und wohl in ihren europäischen Heimatländern und insbesondere in Deutschland zu fühlen.

Das jüdische Leben gehört zu Deutschland wie die Eiche und das Bier und die die Bratwurst, so oder ähnlich drückten es zahlreiche Politiker und Persönlichkeiten des neuen Deutschlands nach dem Sieg der Alliierten gegen Nazideutschland aus.

Nach siebzig Jahren müssen wir leider feststellen, dass es mit dem „normalen“ Umgang mit den Deutschen Bürger jüdischen Glauben, nicht weit gekommen ist. Während die meisten Menschen in Deutschland das jüdische Dasein normal betrachten und normal damit umgehen, beharrt die Politik und die Politiker jedwede Couleur die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens und das jüdische Dasein in seinen vielfältigsten Fassetten „als etwas Besonders“ zu behandeln. Inzwischen ist diese „besondere Behandlung“ ein Hindernis für den normalen Umgang geworden. Sie bremst nicht nur die Wiedrintegration einer Glaubensminderheit in ihrer eingestemmten Gesellschaft, nachdem sie in der Vergangenheit als „besonders“ eingestuft wurde und fasst ausgerottet wurde, sondern ist diese „besondere Behandlung“ auch Wasser auf den Mühlen der radikalen  und nie belehrbaren Kreaturen hier zu Lande.

Mit der  „besonderen Behandlung“ meine ich nicht, dass die staatlichen und kommunalen Zuwendungen und Unterstützung für die jüdischen Gemeinden seit den neunziger Jahren massiv gestiegen sind. Das ist wichtig für die Integration der Einwanderer jüdischen Glaubens aus den ehemaligen Ostblockländer hier in Deutschland und in Europa.  Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen vor jüdischen Einrichtungen sind genauso wenig gemeint, obwohl ich diese als maßlose Übertreibung betrachte, Angesicht der Tatsache, dass auf islamischen Einrichtungen in den letzten Jahren viel mehr Anschläge ausgeübt wurden, und diese keines falls so offensichtlich und scheinheilig von dem Sicherheitsapparat gesichert und geschützt wurden. Ich meine mit der “ besonderen Behandlungen“ etwas was inzwischen unauffällig und fast als der „normale“ Zustand betrachtet wird. Die Beziehung der Politik zu den jüdischen Gemeinden. Genauer ausgedrückt der immer wieder wiederholende Versuch jüdische Gemeinden als “ Vertreter“ des Staates Israel darzustellen und die öffentliche Wahrnehmung mit dieser „Tatsache“ Tag ein Tag aus zu konfrontieren. Es ist, meiner Meinung nach, irreführend zu glauben, die jüdischen Gemeinden samt der gesamten Mitgliedschaft dies verlangen und diese Aufgabe freiwillig auf sich nehmen. In den meisten Fällen wird Ihnen diese Position von der Politik, gewollt oder aus Unwissenheit eher  aufgedrängt. Wohlwissend aber, dass einige Protagonisten  sowohl bei den Politikern als auch bei den Funktionären der jüdischen Gemeinden  und des Zentralrates der Juden in Deutschland dies dankbar annehmen, denn diese „besondere Behandlung“ gewährt beiden Seiten, Funktionäre und Ahnungslose Politiker, eine mediale Präsenz, die beide gerne haben. Dass diese Ausnutzung eher unmoralisch ja sogar verwerflich, angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit, der Deutschen jüdischen Glaubens keines falls sich blind und bedingungslos die koloniale Politik des Staates Israel unterstützen, ist beiden offensichtlich egal.

Verheerend und abscheulich wird diese Situation, wenn palästinensische und arabische Hobbypolitiker in diesem unmoralischen Spiel mitmischen und diese als Türöffner, den Sie brauchen um die deutsche politische Elite zu erreichen darstellen und ihre Mitmenschen verkaufen.

Beim letzten Treffen vor Wochen mit einem CDU Bundestagsabgeordneter in Berlin, denn ich mit der o.g These konfrontiert habe, stimmte meine Analyse zu und schilderte mir einen Vorfall, den ich bezeichnend und als Ergebnis dieser verfälschten Wahrnehmung bewerte. Er sagte: bei einer Feierlichkeit anlässlich der Eröffnung einer jüdischen Einrichtung in Berlin wedelten die dort angereihten Kindern mit der israelischen Fahne! Der Abgeordnete fragte daraufhin seinen Gastgeber, Funktionäre der jüdischen Gemeinde Berlin, wo bleiben die deutschen Fahnen? Und wenn Symbole gehisst werden, warum denn nicht jüdische? Warum israelische Fahnen? Seine Schilderungen nach reagierte der Gastgeber mit Schulterzucken.

Einige arabische, palästinensische und islamische Politiker und Persönlichkeiten benutzen die Wörter Jude, Israeli, Zionist aus Unwissenheit oder auch aus Populismus manchmal auch aus Antisemitismus, synonym. Die Tragweite ihres Irrtums und den nationalen Schaden, den Sie anrichten, ist ihnen meistens in ihrer verblendete Realität nicht bewusst. Dies scheint mir auch, leider der Fall in der deutschen Politik zu sein. Oder kann mir einer erklären warum bei den Offiziellen Besuchen deutscher  kommunaler, Landes und Bundespolitiker und Delegationen nach Israel meisten Vertreter einer oder mehrere jüdischen Gemeinden dabei sind? Werden auch bei solchen offiziellen besuchen in der Türkei oder Saudi-Arabien Vertreter und Imame der Moscheen mitgenommen?

Es ist an der Zeit, dass die deutsche politische Elite begreifen soll, dass nicht jeder Jude ein Israeli ist..und nicht jeder Zionist ein Jude ist..und nicht jeder Israeli ein Jude oder gar ein Zionist ist..

Wenn wir etwas aus der Dunkeln deutschen Vergangenheit gelernt haben, dann dass wir in der Politik nicht pauschalisieren sollen und mit religiösen und ethnischen Minderheit sensibler umgehen sollen und diese nicht für billige propagandistische Politik ausnutzen sollen. Die Juden in Deutschland eignen sich nicht als Karriereleiter für schwache Politiker, und nicht für medialsüchtige Funktionäre und arabisch palästinensische Hobbypolitiker.

Raif Hussein / Juli 2015

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