„Wenn Unrecht Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ Dieser Satz von Bertolt Brecht begleitet die Palästina-Frage seit Jahrzehnten – als Warnung und Anklage zugleich. „Land für Frieden“ war zwei Jahrzehnte lang die Formel, an die die Palästinenser ihre Hoffnungen knüpften. Doch zugleich war sie das Betäubungsmittel, mit dem die internationale Gemeinschaft das palästinensische Volk 22 Jahre lang in einem Warteraum ohne Ausweg festhielt.

Wenn Prozess zum Ersatz wird

Der Friedensprozess versprach, was er nicht halten konnte: ein gerechtes Ende des Konflikts durch Verhandlungen. Doch ein Prozess ohne Perspektive wird zum Instrument, den Status quo einzufrieren. Die Siedlungen wuchsen, Jerusalem wurde eingekreist, die Landkarte in Inseln zerschnitten – während die Verhandlungen die Sprache lieferten, mit der diese Realität gerechtfertigt wurde. Unrecht wurde Recht, Paragraph für Paragraph und Siedlungsblock für Siedlungsblock.

Widerstand in dieser Situation bedeutet nicht den Verzicht auf Politik – er heißt vielmehr, sich zu weigern, Unrecht als Gesetz zu akzeptieren. Völkerrecht, UN-Resolutionen, Boykottbewegungen, die Gerichte der Weltöffentlichkeit: Auch das sind Formen des Widerstands, ja die folgenreichsten, die einem Volk ohne Armee zur Verfügung stehen.

Pflicht statt Resignation

Brechts Satz ruft nicht zur Verherrlichung von Gewalt auf; er fordert dazu auf, die Normalisierung von Unrecht abzulehnen. Diese Pflicht trifft zuerst die Betroffenen – endet aber nicht an ihren Grenzen. Wer zusieht, wie Unrecht Recht wird, und schweigt, macht es zu seinem eigenen Recht.

Für die Palästinenser ist die Lehre aus den zwei Jahrzehnten zugleich ernüchternd und befähigend: Hoffnung war fehl am Platz, wenn sie delegiert wurde. Widerstand als Pflicht bedeutet, die Initiative zurückzuerobern – politisch, rechtlich, gesellschaftlich – bis Recht wieder das ist, was das Gesetz beansprucht zu sein.