Seit nunmehr zwölf Jahren stehen sich die palästinensischen Bewegungen Fatah und Hamas feindlich gegenüber. Und inzwischen ist eines unumstößlich klar: Trotz aller Bemühungen, unzähliger Vermittlungsversuche arabischer Staatschefs und zahlloser Versöhnungsgesten zwischen Funktionären von Fatah und Hamas ist es den Palästinensern nicht gelungen, die Spaltung zu überwinden, die ihre nationale Bewegung zerrüttet.

Zwei Regierungen, ein Volk

Die Spaltung hat zwei parallele Realitäten geschaffen: eine Autonomiebehörde in Ramallah, die das Westjordanland unter Besatzungsbedingungen verwaltet, und eine de facto Herrschaft im Gazastreifen, die einen blockierten Landstreifen kontrolliert. Jede Seite legitimiert sich aus dem Scheitern der anderen. Die Fragen, die tatsächlich über die Zukunft entscheiden – Repräsentation, Wahlen, ein gemeinsames nationales Programm – bleiben indes unbeantwortet.

Die Last tragen nicht die Fraktionen, sondern das palästinensische Volk: blockierter Wiederaufbau, eingeschränkte Freiheiten, eine Generation, die mit zwei widersprüchlichen Narrativen und ohne Perspektive aufwächst. Die Versöhnungsabkommen wurden mehrfach unterzeichnet; was jedoch stets ausblieb, war ihre Umsetzung, denn diese würde von beiden Seiten den Verzicht auf echte Privilegien verlangen.

Kein Ende in Sicht?

Ein Ende wird nicht durch symbolische Gesten oder Gipfelfotos herbeigeführt. Es bedarf dessen, was beide Führungsebenen bislang vermieden haben: einer echten Machtteilung unter demokratischer Legitimität – Wahlen, eine reformierte PLO, ein nationales Programm, das beide Seiten verbindlich zusammenführt. Solange die Spaltung dem Erhalt beider Führungsschichten dient, wird sie fortbestehen.

Der Zwölfjahres-Meilenstein ist daher kein Anlass zur Resignation, sondern zur Ehrlichkeit: Kein externer Vermittler kann eine Spaltung überwinden, von der beide Seiten profitieren. Erst wenn die Kosten der Spaltung für die Führung höher sind als für das Volk, wird ein Ende in Sicht sein.